Atelier


Aus Klangsteinen entstehen Musikinstrumente.

Im Atelier Steinmusik werden innovative Steinklanginstrumente erforscht und entwickelt. Es sind handwerklich gearbeitete Einzelstücke und Kostbarkeiten für das Ohr wie für das Auge.

Die Natursteininstrumente offenbaren einen ausserordentlichen Klangreichtum und eine ungewöhnliche Klangqualität, die nicht mit einem anderen Instrument zu vergleichen sind.

Handwerk und Kunst verbinden sich in einzigartiger Weise durch präzise gearbeitete und gestimmte Steine, die zu ästhetisch ansprechenden Musikinstrumenten verarbeitet werden.

Musik


Musik bedeutet mir Freude und Erfüllung, wenn ich mich durch sie in meinem Menschsein und Werden erfühlen kann und von ihr berührt werde.

Mein ganzes Musikerleben bin ich den Tönen gefolgt und habe immer wieder erlebt, welche ungeahnten Möglichkeiten der Klang uns bietet, in ihn einzuwohnen und mit ihm in neue Räume vorzudringen. Meine Musik erlausche ich in einem freien stets neu sich formenden Spiel - Offenheit und das Wagnis eines immer feineren Ertastens sind dabei notwendig. Ich gebe dem Klang Zeit, sich zu entfalten - aus Klang wird Raum und so befinde ich mich in jedem Augenblick des Spielens auf der Suche nach der Musik selbst.

Steinwerkstatt


Auf der Suche nach klingenden Steinen bin ich durch die Berge gewandert, habe Phonolith-Vorkommen aufgespürt, habe viele verschiedene Steinbrüche aufgesucht und auch in Steinhandlungen alles abgeklopft, was mir unterkam. Ich erprobte viele Gesteinsarten in Bezug auf ihre Klangqualität, bearbeitete sie und erforschte, welche ein geeignetes Schwingungsverhalten besitzen, um daraus reich tönende und präzis gestimmte Klangkörper für Musikinstrumente zu bauen. Dabei sind Lithophone, verschiedene Schalensteine, glockenartig klingende Steinreihen, Orgelsteine und mehr entstanden.

Spielweisen


Die Steininstrumente ermöglichen zahlreiche Spielweisen: Ich rolle Kugeln über Klangplatten, spiele mit Kieselsteinen darauf oder reibe mit Steinstäben an den Kanten entlang. Die rauen oder glattpolierten Oberflächen ermöglichen dabei zahlreiche Klangvariationen. Alle Steine lassen sich auch mit verschiedenen Schlägern spielen. Das Instrument, das dafür jedoch besonders konzipiert ist, heisst LITHOPHON.

Die erstaunlichste Spieltechnik ist das Reiben mit der nassen Hand über die polierten Kanten der Steine, die dadurch in Schwingung versetzt werden. Dabei entstehen klare und äusserst kraftvolle Töne, die ohne Weiteres einen grossen Raum mit ihrer Klangkraft erfüllen können. Das Hauptinstrument, das hierfür von mir konzipiert und im Atelier Steinmusik entwickelt wurde, ist das ORGALITHO.

Klangforschung


Wenn wir bedenken, dass die Berge und Felsen für ihre Entstehung und Metamorphose riesige Zeiträume in Anspruch nehmen, wird deutlich, welche geschichtliche Dimensionen der erklingende Stein in sich trägt. Das „Lied des Steines“, umfasst in diesem Sinne eine „unerhörte“ Zeitspanne und kann beim Hören zu ganz neuen Erfahrungen führen.
Zugleich durchpulst der Klang, der durch Material, Form und Gestalt des Instrumentes entsteht, beim Spiel den Raum. Immer wieder sehe ich es als Herausforderung, die Instrumente so weiterzuentwickeln, dass durch Bau, Klang und Spielweise dieses Raumerleben verstärkt wird.
Das Erstaunliche ist, dass die Klänge den Raum plastizieren: Es gibt bewegte Klangformen, die kreisen, tanzen und wirbeln. Es gibt auch Klangformen, die als stehende Schwingungswellen erlebbar sind und das individuelle Resonanzmuster eines Raumes offenbaren: an manchen Stellen verstärkt sich der Klang, an anderen schwächt er sich ab.
Die Schwingungen der Steine sind auch deutlich körperlich spürbar. Sie können kräftig oder zart als Vibration im Körper erfahren werden. Daher ist es wesentlich, den Gesamtklang des Instruments zu einem harmonischen Ganzen zu fügen und die Wirkung der tönenden Steine weiter zu erforschen.

Biografische Notizen


Beat Weyeneth (*1959) absolvierte eine Berufsausbildung zum Schreiner und lernte zugleich Gitarrenbau. Bis zum Aufbau einer eigenen Werkstatt vertiefte er seine Kenntnisse in Instrumentenbauwerkstätten und Bildhauerschulungen.

Seit 1986 führt Beat Weyeneth eine eigene Instrumentenbauwerkstatt. Zu Anfang entwickelte er verschiedene Holzklanginstrumente, Streichpsalter und Harfen, sowie ein erstes Lithophon. Die vertiefte Beschäftigung mit den Naturtonreihen führte zum Bau und zum Spielen von Alphörnern und der slowakischen Hirtenflöte Fujara. In jahrelangen Weiterbildungen in Gesang, Trommel, Flöten und Saiteninstrumenten verfeinerte er seine musikalischen Fähigkeiten.

Seit 2001 konzentrierte Beat Weyeneth sein Forschen und Schaffen auf die Entwicklung von Instrumenten aus Klangsteinen. Dieser künstlerische Weg mit Klangsteinen begann mit der Klangerforschung unbearbeiteter Steine von seinen Streifzügen aus den Bergen. Es zeigte sich bald, dass nur sehr wenige Gesteinsarten zur Erzeugung eines reichhaltigen Klangspektrums verwendbar sind.

Sein erstes gestimmtes „Lithophon“ bestand aus einfach behauenen Steinplatten. Es folgte ein langer Weg der experimentellen Forschung, in der er eine Vielfalt von Instrumenten und Methoden der Steinklangerzeugung entwickelte, beziehungsweise vorhandene Instrumente verfeinerte. Heute reicht das Spektrum an Instrumenten von kunstvoll und ästhetisch gestalteten Steinplatten zu formschönen chromatisch gestimmten Konzertinstrumenten, die sich auch für das Zusammenspiel im Ensemble mit anderen Musikern eignen.

Parallel zur Entstehung dieses einzigartigen Instrumentariums begann eine Konzerttätigkeit im Solospiel, sowie im Ensemble mit anderen Musikern. In unterschiedlichen Projekten im In- und Ausland, wie „Werkstatthören“, Klangperformance, Konzertreihen, Theatermusik und musikalische Begleitung von Erzählungen, entfaltete sich der künstlerische Werdegang von Beat Weyeneth.

Der Bau und die Weiterentwicklung seiner Instrumente einerseits und die künstlerisch-musikalische Entfaltung im Spiel der Instrumente andererseits bedingen sich gegenseitig und ergeben ein fruchtbares Wechselspiel. Dieses eröffnet dem Autodidakten Beat Weyeneth einen kreativen Raum, der ihm ermöglicht, immer wieder Neues zu schaffen.

Nach langjähriger Tätigkeit im Raum Bern, lebt und arbeitet er seit 2010 in der Ostschweiz.
Die Bearbeitung der Steine erfordert viel Erfahrung und Gespür. Die Kunst besteht darin, jene Form herauszuarbeiten, die beim Klingen harmonische Teilschwingungen (Obertöne) hervorbringt und diese zu einem Gesamtklang fügt. Die Möglichkeiten der Steinbearbeitung haben sich mit der heutigen Technik enorm erweitert, das Schneiden mit der Diamantsäge eröffnet auch für den Stein als Klangkörper neue Horizonte.